Entstehung & Geschichte des Taekwondo


 

Taekwondo entstand, für viele vielleicht überraschend, sehr abrupt innerhalb der kurzen Zeit von etwa 1945 - 1955 unter dem Einfluss und in den Wirren des zweiten Weltkrieges und des Koreakrieges.

 

Während der langen japanischen Besatzung Koreas verboten die Unterdrücker das Training von Kampfarten, da die Koreaner keine Mittel zur Verteidigung besitzen und Aufstände verhindert werden sollten. Dies führte dazu, dass die koreanischen Kampfarten, wie viele andere kulturelle Bestandteile, entweder ganz oder fast ausgelöscht wurden. Was Taekkyon, die einzige koreanische Kampfart, die man mit Taekwondo annähernd vergleichen kann, angeht, so wurden erst in den 1960er Jahren noch zwei Meister entdeckt, die diese Bewegungslehre noch beherrschten. Einer davon war mittlerweile Nationaltrainer der koreanischen Judomannschaft geworden. Sie hatten ihr Wissen nicht für wichtig gehalten, was zeigt, dass es während der Besatzung keinerlei geheimes Training oder Überlieferung gab.

Es ist aus verschiedenen Gründen höchst zweifelhaft, ob die Begründer des späteren Taekwondo's Taekkyon beherrschten, obwohl dies immer wieder behauptet wird, meistens jedoch nicht von ihnen selbst. Viele Koreaner wurden jedoch dazu gezwungen, in das japanische Militär einzutreten oder reisten aus anderen Gründen nach Japan, wo einige von ihnen Karate erlernten.

Kara-Te bedeutete ursprünglich "China-Technik", nicht "leere Hand". Es wurde aus dem Okinawa-Te entwickelt, welches wiederum deutliche südchinesische Einflüsse enthält. Nach Ende der Besatzung unterrichteten einige Koreaner das, was sie zuvor im Ausland, teilweise auch im ebenfalls besetzten China, gelernt hatten und gaben ihren Stilen neue Namen.

 
Die ersten fünf Schulen hießen:

* Chung Do Kwan
(Begründer: Lee Won Kuk, gegr. 1945), Stilrichtung: Tang Soo Do

* Ji Do Kwan
(Begründer: Chun Sang Sup , gegr. 1945), Stilrichtung: Kong Soo Do

* Moo Duk Kwan
(Begründer: Hwang Kee, gegr. 1945), Stilrichtung: Tang Soo Do

* Chang Moo Kwan
(Begründer: Yoon Byung In, gegr. 1946), Stilrichtung: Kwon Bup Bu

* Song Moo Kwan
(Begründer: Ro Byung Jik/gegr. 1946), Stilrichtung: Karate

Später kamen viele weitere hinzu, vor allem

* Oh Do Kwan
(Begründer: General Choi Hong-Hi und Nam Tae Hi, gegr. 1953, Stilrichtung: Karate und Tang Soo Do)


Während des Koreakrieges wurden diese Stile unter dem Namen Kong Soo Do vereint.
Der Name "Taekwondo" entstand erst am 11. April 1955 unter massgeblicher Mitwirkung von General Choi Hong Hi. Dieser hatte von 1945-1955 seinen ebenfalls auf dem Shotokan Karate basierenden Stil Chang Ho Yo entwickelt, welches etwa ab 1948 in Teilen der südkoreanischen Armee Ausbildungsbestandteil war und auch Ausbildungsbestandteil der amerikanischen Militärpolizei in Seoul war.

Man entschied sich für die Bezeichnung "Tae Kwon Do", weil sie zum einen die bisherige sinokoreanische Übersetzung von Kara-Te-Do (Tang Soo Do) annähernd wiedergab, andererseits von der Aussprache her ähnlich klingt wie Taekkyon, welches noch in den Köpfen der Menschen präsent war. Heute denken viele Koreaner, dass Taekkyon nichts weiter als der antike Name von Taekwondo sei, was allerdings auf die gezielt betriebene Geschichtsfälschungspolitik der meisten großen Weltverbände zurückzuführen ist. Man muss allerdings verstehen, dass es für die koreanische Nation kaum möglich ist, die Verbindungen des mittlerweile weltbekannten und olympischen Sport Taekwondo zum Peiniger Japan zuzugeben.

Alle Kwans wurden von Choi vereinigt, teilweise unter Zwang. Einige Meister, der prominenteste ist wohl Hwang Kee, wollten ihren eigenen Stil weiterführen, konnten dies im Korea der Militärdiktaturen jedoch nicht und verliessen das Land, meistens in Richtung Nordamerika. Hwang Kee benannte seinen Stil später in Subak um, behauptete jedoch nicht, dass dieser authentisch die alte Kampfkunst Koreas widerspiegele.
Diese Hintergründe mögen viele nicht sehr erfreuen, man sollte jedoch Politik und Inhalt der Kampfart Taekwondo trennen. Wichtig für das Verständnis von vielen Bräuchen im Taekwondo ist vor allem die Verbindung zum Militär und die sehr junge Tradition, die keine generationenalte Wurzeln in Korea hat.
 
(Danke an Hendrik Rubbeling für die Zurverfügungstellung des obigen Textes)
JoomSpirit